
Schwerbehinderung als Lehrer und Beamter
Besondere Rechte für schwerbehinderte Lehrkräfte: Nachteilsausgleich, Deputatsreduzierung, Zusatzurlaub, Frühpensionierung und Kündigungsschutz im Überblick.
Was bedeutet Schwerbehinderung im Beamtenverhältnis?
Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 anerkannt bekommt. Das Versorgungsamt stellt den GdB fest und stellt den Schwerbehindertenausweis aus. Für verbeamtete Lehrer gelten dieselben Schutzrechte wie für alle schwerbehinderten Beamten — ergänzt durch schulrechtliche Sonderregelungen der Bundesländer.
Nachteilsausgleich und besondere Rechte im Schulalltag
Deputatsreduzierung
Viele Bundesländer gewähren schwerbehinderten Lehrkräften eine Ermäßigung des Unterrichtsdeputats von 1–3 Wochenstunden. Der genaue Umfang hängt vom GdB und vom jeweiligen Bundesland ab. Der Antrag läuft über die zuständige Schulbehörde.
Zusatzurlaub (5 Tage jährlich)
Schwerbehinderte haben nach § 208 SGB IX Anspruch auf 5 zusätzliche Urlaubstage pro Jahr. Für verbeamtete Lehrer wird dieser Zusatzurlaub je nach Bundesland unterschiedlich auf den Ferienanspruch angerechnet.
Behinderungsgerechte Arbeitsplatzausstattung
Der Dienstherr ist verpflichtet, den Arbeitsplatz behinderungsgerecht zu gestalten — ergonomische Möbel, technische Hilfsmittel, barrierefreier Zugang. Die Kosten trägt in der Regel das Integrationsamt.
Schutz vor Versetzung
Eine Versetzung an eine andere Schule darf nicht ohne Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung (SBV) erfolgen. Schwerbehinderte Lehrer können einer Versetzung widersprechen, wenn diese ihre Behinderung unzumutbar verschlechtert.
Frühpensionierung für schwerbehinderte Lehrer
Schwerbehinderte Beamte können auf eigenen Antrag vorzeitig in den Ruhestand treten. Die Altersgrenzen variieren je nach Bundesland:
| Regelung | Alter | Versorgungsabzug |
|---|---|---|
| Reguläre Pensionsgrenze | 67 Jahre | keiner |
| Antragsruhestand Schwerbehinderung | ab 62 Jahre (je nach Land) | 0,3 % pro Monat, max. 10,8 % |
| Dienstunfähigkeit (gesundheitlich) | jederzeit möglich | Mindestversorgung gesichert |
Kündigungsschutz für schwerbehinderte Beamte
Verbeamtete Lehrer können grundsätzlich nicht „gekündigt“ werden. Das Beamtenverhältnis endet nur durch Entlassung, Verlust der Beamtenrechte oder Eintritt in den Ruhestand. Jede Maßnahme, die schwerbehinderte Beamte betrifft, muss jedoch die Schwerbehindertenvertretung (SBV) einbeziehen.
Für angestellte Lehrer (TV-L) gilt ein stärkerer Schutz: Eine ordentliche Kündigung ist nur mit vorheriger Zustimmung des Integrationsamts möglich (§ 168 SGB IX). Ohne diese Zustimmung ist die Kündigung unwirksam.
So beantragst du den Schwerbehindertenausweis
- Antrag beim Versorgungsamt oder Amt für soziale Angelegenheiten stellen (in vielen Ländern online)
- Ärztliche Befundberichte und Atteste zusammenstellen und einreichen
- Versorgungsamt stellt GdB fest und stellt Schwerbehindertenausweis aus
- Ausweis bei der Schulbehörde vorlegen, um Sonderrechte geltend zu machen
- Ggf. Widerspruch einlegen, wenn der GdB zu niedrig festgestellt wurde
Weiterführende Informationen
Fragen zu Pension und Dienstunfähigkeit als schwerbehinderter Lehrer?
