
Seit dem 8. September 2026 liegen die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 vor, und für Deutschland fallen sie so schwach aus wie noch nie. Die 15-Jährigen erreichten 464 Punkte in Mathematik, 465 Punkte im Lesen und 486 Punkte in den Naturwissenschaften – in allen drei Bereichen der niedrigste Wert, den PISA hierzulande je gemessen hat. Damit bewegt sich Deutschland nur noch auf dem Niveau des OECD-Durchschnitts. Etwa ein Drittel der Jugendlichen bleibt im Lesen und in Mathematik unter dem Mindestniveau, und das Elternhaus prägt die Leistung deutlich stärker als im internationalen Mittel. Hier finden Sie die wichtigsten Zahlen, eine Einordnung von Befunden, Deutungen und politischen Ankündigungen sowie konkrete Folgerungen für Ihren Unterricht. Stand: September 2026.
Was PISA 2025 untersucht hat
Mit PISA vergleicht die OECD, wie gut 15-Jährige ihr Wissen auf neue Aufgaben anwenden; Deutschland ist seit 2000 dabei. An der Runde 2025 beteiligten sich 91 Staaten und Regionen mit mehr als 760.000 Jugendlichen. Hierzulande bearbeiteten 6.659 Schülerinnen und Schüler an 246 Schulen die computerbasierten Tests, und zwar zwischen Ende März und Ende Mai 2025. Die Stichprobe steht für rund 718.000 Jugendliche dieses Alters; laut OECD erfüllten alle deutschen Daten die Qualitätsstandards.
Schwerpunkt der Runde waren die Naturwissenschaften; Mathematik und Lesen wurden mit kleinerem Umfang getestet. Neu hinzu kam der Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ mit modellbasiertem Problemlösen am Computer. Dort erreichte Deutschland 498 Punkte bei einem OECD-Mittel von 500. Die Resultate des Englischtests folgen laut OECD erst 2027.
Die Punktwerte: Deutschland im Vergleich zu 2022 und zum OECD-Schnitt
Am stärksten ist der Rückgang beim Lesen: Gegenüber 2022 verlor Deutschland 15 Punkte. In Mathematik beträgt das Minus 11 Punkte, in den Naturwissenschaften 6 Punkte. Die OECD wertet die Verluste in Mathematik und Lesen als statistisch bedeutsam; in den Naturwissenschaften bleibt die Veränderung innerhalb der Messunsicherheit. Aussagekräftiger als der Dreijahresvergleich ist der lange Trend. Im Lesen hatte Deutschland 2015 noch 509 Punkte erreicht, in Mathematik war 2012 das stärkste Jahr. In den Naturwissenschaften lagen die Ergebnisse seit 2006 stets über dem OECD-Mittel – 2025 ist das erstmals nicht mehr so.
| Bereich | PISA 2022 | PISA 2025 | Veränderung | OECD-Schnitt 2025 | EU-Schnitt 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Mathematik | 475 | 464 | −11 (signifikant) | 463 | 460 |
| Lesen | 480 | 465 | −15 (signifikant) | 461 | 451 |
| Naturwissenschaften | 492 | 486 | −6 (nicht signifikant) | 482 | 476 |
Deutschland: PISA 2022 vs. 2025 (und OECD-Schnitt), Angaben in Punkten. Werte 2025, Durchschnitte und Mathematik 2022 laut nationalem Berichtsband des ZIB und OECD; die Werte 2022 für Lesen und Naturwissenschaften ergeben sich aus den im Pressedossier des Deutschen Bildungsservers genannten Veränderungen.
Die Leistungen sinken nicht nur in Deutschland: Seit etwa 2015 geht die Lesekompetenz in vielen Staaten zurück. Entlastend ist das kaum, denn Estland, die Schweiz und Österreich schneiden in allen drei Bereichen signifikant besser ab.
Die Mittelwerte verdecken zudem, wie sich die Leistungen verteilen. PISA ordnet die Ergebnisse sechs Kompetenzstufen zu. Stufe II gilt als Schwelle für sichere Grundkenntnisse, die Stufen V und VI stehen für besonders starke Leistungen. Was Stufe II verlangt, beschreibt die OECD anschaulich: In Mathematik sollen Jugendliche ohne ausdrückliche Anleitung erkennen, wie sich eine einfache Alltagssituation rechnerisch fassen lässt – etwa wenn zwei Wege nach ihrer Länge verglichen oder Preise in eine andere Währung umgerechnet werden. Im Lesen geht es darum, den Kern eines mittellangen Textes zu verstehen, in den Naturwissenschaften darum, für vertraute Phänomene die passende Erklärung zu erkennen.
| Bereich | Unter Stufe II (Deutschland) | Unter Stufe II (OECD) | Stufe V/VI (Deutschland) | Stufe V/VI (OECD) |
|---|---|---|---|---|
| Mathematik | 34 % | 35 % | 8 % | 8 % |
| Lesen | 32 % | 31 % | 7 % | 6 % |
| Naturwissenschaften | 27 % | 26 % | 9 % | 7 % |
Beim Lesen hat sich die Gruppe unter Stufe II seit 2015 verdoppelt, damals lag sie bei 16 Prozent. Verglichen mit 2015 wuchs die Gruppe der Leistungsschwachen laut OECD in Mathematik um 17, im Lesen um 15 und in den Naturwissenschaften um 10 Prozentpunkte. 21 Prozent der 15-Jährigen erreichen in keinem der drei Bereiche Stufe II. Am oberen Ende ist das Bild gemischt: In den Naturwissenschaften bleibt die Spitzengruppe mit 9 Prozent weitgehend stabil und größer als im OECD-Mittel, im Lesen schrumpfte sie von 12 Prozent (2015) auf 7 Prozent. In allen drei Bereichen zugleich erreichen nur 3 Prozent Stufe V oder VI. Für die Naturwissenschaften hält das nationale Forschungsteam fest, dass der Rückgang vor allem vom unteren Ende der Verteilung ausgeht.
Herkunft und Zuwanderung: Die Schere öffnet sich weiter
In den Naturwissenschaften liegen sozioökonomisch begünstigte Jugendliche (oberstes Viertel) in Deutschland 125 Punkte vor den benachteiligten (unterstes Viertel); im OECD-Mittel sind es 85 Punkte. Die soziale Herkunft erklärt hierzulande 19 Prozent der Leistungsunterschiede, international 12 Prozent. Zwischen 2015 und 2025 ist der Abstand in Deutschland gewachsen, während er im OECD-Schnitt kleiner wurde: Die Leistungen der Benachteiligten sanken, die der Begünstigten blieben stabil. Nur rund 9 Prozent der benachteiligten Jugendlichen gelangen ins oberste Leistungsviertel (OECD: 12 Prozent). Das Kieler IPN veranschaulicht die Lücke so: Von 100 Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen zwei hohe Kompetenzen, von 100 aus privilegierten Familien 25.
Ähnlich groß sind die Unterschiede nach Zuwanderungsgeschichte. Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund kommen in den Naturwissenschaften im Mittel auf 521 Punkte, die zweite Generation auf 463. Wer selbst zugewandert ist, erreicht bei Zuzug vor dem elften Lebensjahr 423 Punkte, bei späterem Zuzug 392 Punkte. Im OECD-Durchschnitt sind die entsprechenden Abstände mit 35 bis 72 Punkten deutlich kleiner.
Schulalltag, Smartphones und Chatbots: Was die Fragebögen zeigen
Aus dem begleitenden Fragebogen betreffen einige Antworten Ihren Alltag direkt:
- 33 Prozent halten die Schule für Zeitverschwendung (OECD: 24 Prozent); gegenüber 2022 ein Plus von 4 Prozentpunkten. Der Anteil derer, die sich bei schwierigen Aufgaben besonders anstrengen, sank um knapp 8 Prozentpunkte.
- Ein Drittel berichtet, dass Mitschülerinnen und Mitschüler im naturwissenschaftlichen Unterricht häufig durch digitale Geräte abgelenkt sind (OECD: 28 Prozent). An Schulen mit Handyverbot berichten Jugendliche in Deutschland mit rund 22 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit von solcher Ablenkung; 64 Prozent besuchen eine Schule mit Verbot.
- Die Hälfte nutzt mindestens wöchentlich Chatbots wie ChatGPT als Lernhilfe (OECD: 46 Prozent). Je 36 Prozent lassen sich damit Lesetexte zusammenfassen oder Texte für Hausaufgaben vorformulieren.
- 56 Prozent erleben, dass sich die Lehrkraft in den meisten Naturwissenschaftsstunden für den Fortschritt jedes Einzelnen interessiert; im OECD-Mittel sind es 69 Prozent. Gegenüber 2015 (53 Prozent) ist der Wert leicht gestiegen.
- 52 Prozent lernen an Schulen, deren Leitung eine Beeinträchtigung des Unterrichts durch Lehrkräftemangel meldet (OECD: 39 Prozent); 2022 waren es noch 73 Prozent.
- 31 Prozent erleben mindestens ein paar Mal im Monat eine Form von Mobbing (OECD: 20 Prozent).
Einordnung: Deutungen, Forderungen und Beschlüsse
Deutungen: Über die Ursachen gehen die Einschätzungen auseinander, gesicherte Kausalaussagen erlaubt PISA nicht. Samuel Greiff, Professor an der TU München und Leiter der deutschen PISA-Studie am Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), sieht keinen kurzfristigen Ausreißer mehr, sondern einen eindeutigen Abwärtstrend. Die Pandemie reiche als Erklärung nicht aus, weil der Rückgang schon vorher begonnen habe; als mögliche Faktoren nennt er veränderte Mediennutzung und kürzere Aufmerksamkeitsspannen. Nach seiner Darstellung betrifft der Rückgang Gymnasien ebenso wie die übrigen Schularten.
Olaf Köller, Direktor des Kieler IPN und Mitglied im ZIB-Vorstand, hält es für nicht hinnehmbar, dass Neuntklässlerinnen und Neuntklässler teils auf Grundschulniveau lesen und rechnen. Veränderungen müssten diesmal tatsächlich im Unterricht ankommen. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher nannte das deutsche Bildungssystem im Radio „ambitionslos geworden“; schwache Leistungen würden zu oft hingenommen und Kinder früh auf weniger anspruchsvolle Bildungswege gelenkt.
Politische Reaktion: Die deutschen Ergebnisse wurden in Berlin mit Bundesbildungsministerin Karin Prien und Anna Stolz, der bayerischen Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, vorgestellt. In ihrer gemeinsamen Mitteilung vom 8. September 2026 nennen sie die Ergebnisse „inakzeptabel“ (Stolz) beziehungsweise „dramatisch“ (Prien). Die Mitteilung verweist vor allem auf bereits laufende Programme: das Startchancen-Programm für Schulen in schwieriger sozialer Lage, das Mathematikprogramm QuaMath, den Digitalpakt 2.0, den Ganztagsausbau, die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung sowie Verfahren, die sprachlichen Förderbedarf schon vor der Einschulung erkennen sollen. Außerdem haben Bund und Länder eine „Roadmap zur Verbesserung der Bildungsqualität“ erarbeitet, mit der laufende und künftige Maßnahmen besser abgestimmt werden sollen. Neue Beschlüsse mit konkreten Zielwerten oder Budgets enthält die Mitteilung nicht. Forderungen kamen von anderer Seite: Die SPD-Bundestagsfraktion verlangt einen Bildungsgipfel, der Philologenverband eine konsequente Sprachförderung vor dem Schulstart, die GEW sprach von einem „PISA-Schock 2.0“.
Das nationale Forschungsteam formuliert eigene Handlungsoptionen, die keine Beschlüsse sind: Förderung datengestützt steuern, Basiskompetenzen systematisch sichern, Leistungsstarke gezielt fördern, frühe Bildung nutzen. Gegen die soziale Schieflage rät es, Ressourcen nach Bedarf zu verteilen und frühe Diagnostik verbindlich zu machen.
Was die Ergebnisse für Ihren Unterricht bedeuten
PISA liefert keine Rezepte für einzelne Klassen. Aus Befunden und Empfehlungen lassen sich aber Schwerpunkte ableiten:
- Basiskompetenzen früh prüfen: Kurze Eingangsdiagnosen zeigen, wer sicher liest und rechnet. Bei auffälligen Rechenproblemen lohnt ein genauerer Blick, etwa mit einem Dyskalkulie-Screening.
- Lernstände regelmäßig erheben: Kurze formative Checks machen Fortschritte sichtbar.
- Lesen in jedem Fach: Wenn ein Drittel nicht sicher sinnentnehmend liest, scheitern Textaufgaben in Mathematik oder Physik oft schon am Verständnis der Frage.
- Mit Daten und Belegen arbeiten: PISA 2025 prüfte ausdrücklich, ob Jugendliche Untersuchungen bewerten und naturwissenschaftliche Informationen für Entscheidungen nutzen können. Das IPN rät zu forschend-entdeckendem Lernen, offenen und realitätsnahen Problemen sowie zum Vergleich verschiedener Lösungswege.
- Digitale Geräte klar regeln: Feste Phasen ohne Smartphone und verbindliche Absprachen zum Einsatz von Chatbots begrenzen Ablenkung. Anregungen bietet unser Beitrag zur Digitalisierung in der Schule.
- Die Spitze nicht vergessen: Auch starke Schülerinnen und Schüler brauchen anspruchsvolle Aufgaben, sonst schrumpft die Spitzengruppe weiter.
Weil die Leistungen in Deutschland stärker streuen als im OECD-Mittel, ist die Spannbreite in vielen Klassen groß. Wie sich Differenzierung organisieren lässt, zeigt unser Ratgeber zu Inklusion im Schulalltag.
Praxisbeispiel: Was die Quoten für eine 9. Klasse bedeuten
Stellen Sie sich eine fiktive 9. Klasse mit 28 Jugendlichen vor, deren Leistungen genau dem bundesweiten Bild entsprechen – in der Realität weichen einzelne Klassen natürlich deutlich ab. Rein rechnerisch hätten dann neun bis zehn Jugendliche in Mathematik keine sicheren Grundkenntnisse, rund neun im Lesen und sieben bis acht in den Naturwissenschaften. Etwa sechs erreichten in keinem der drei Bereiche Stufe II, während nur zwei zur mathematischen Spitzengruppe zählten.
Die Mathematiklehrerin dieser Klasse, nennen wir sie Frau Berger, beginnt das Schuljahr mit einem 15-minütigen Check auf Stufe-II-Niveau. Eine Aufgabe verlangt, einen Preis von 80 Pfund mit einem vorgegebenen Kurs in Euro umzurechnen, eine zweite, zwei Schulwege auf einer Karte nach ihrer Länge zu vergleichen. Die dritte enthält einen kurzen Sachtext, dessen Kernaussage in einem Satz wiedergegeben werden soll. Ergebnis: Zehn Jugendliche lösen höchstens eine der drei Aufgaben. Bei mehreren liegt das Problem nicht im Rechnen, sondern darin, dass sie nicht erfassen, wonach gefragt ist.
Frau Berger reagiert in drei Schritten. Erstens formulieren alle vor jeder Textaufgabe in eigenen Worten, was gesucht ist. Zweitens übt die Zehnergruppe zweimal pro Woche zehn Minuten Grundaufgaben, der Fortschritt wird in kurzen Tests festgehalten. Drittens bekommen die beiden Stärksten offene Modellierungsaufgaben, etwa zur Frage, ob sich eine Solaranlage auf dem Schuldach rechnet. Nach sechs Wochen zeigt ein Wiederholungstest, wer aufgeholt hat und wer zusätzliche Unterstützung oder eine genauere Diagnostik braucht.
Häufige Fragen zur PISA-Studie 2025
Was ist die PISA-Studie?
PISA ist eine internationale Schulleistungsstudie der OECD. Sie prüft, wie gut 15-Jährige ihre Kenntnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auf neue Aufgaben anwenden. Hierzulande verantwortet sie das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der TU München.
Wann wurden die Ergebnisse von PISA 2025 veröffentlicht?
Die OECD stellte die Ergebnisse am 8. September 2026 in Paris vor; die deutschen Befunde präsentierte das ZIB am selben Tag in Berlin.
Wie hat Deutschland bei PISA 2025 abgeschnitten?
Mit 464 Punkten in Mathematik, 465 im Lesen und 486 in den Naturwissenschaften erreichte Deutschland überall seinen bisher niedrigsten Wert. Die Ergebnisse liegen im Bereich des OECD-Durchschnitts, im Lesen und in den Naturwissenschaften über dem EU-Durchschnitt.
Was war der Schwerpunkt von PISA 2025?
Schwerpunkt waren die Naturwissenschaften. Hinzu kam der neue Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ mit modellbasiertem Problemlösen am Computer, in dem Deutschland mit 498 Punkten nahe am OECD-Mittel von 500 lag.
Ist Corona schuld an den schwachen Ergebnissen?
Nach Einschätzung der deutschen PISA-Leitung allenfalls zum Teil. Die Lesekompetenz sinkt seit 2015, die Mathematikleistung seit 2012 – also lange vor der Pandemie.
Wann folgen weitere Ergebnisse aus PISA 2025?
Die Ergebnisse zum Englischtest und zum selbstgesteuerten Lernen will die OECD 2027 veröffentlichen.
Stand: September 2026. Grundlage sind die OECD-Ländernotiz Deutschland zu PISA 2025, der nationale Berichtsband des ZIB, die gemeinsame Pressemitteilung von KMK und Bundesbildungsministerium vom 8. September 2026, die Meldung des IPN sowie Berichte des Deutschen Schulportals (Interview mit Samuel Greiff) und von News4teachers. Die Werte 2022 für Lesen und Naturwissenschaften stammen aus dem Pressedossier des Deutschen Bildungsservers. Maßgeblich sind die Originalberichte.