
Waldorflehrer werden
Unterrichten an freien Waldorfschulen — Ausbildung, Gehalt und Besonderheiten.
Waldorfschulen sind freie Schulen in privater Trägerschaft mit eigenem reformpädagogischem Konzept. Der Weg dorthin unterscheidet sich vom staatlichen Schuldienst.
Zwei Wege zur Waldorfschule
- Waldorflehrerausbildung an einem Seminar/einer Hochschule für Waldorfpädagogik
- Staatliches Lehramt + Zusatzqualifikation in Waldorfpädagogik
Gehalt und Status
Waldorflehrer sind keine Beamten, sondern Angestellte des freien Trägers. Eine landesweite Entgelttabelle wie den TV-L gibt es für sie nicht; Waldorfschulen können nach einer eigenen Gehaltsordnung bezahlen. Den Rahmen setzt das Ersatzschulrecht: Der Staat darf eine private Ersatzschule nur genehmigen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung ihrer Lehrkräfte genügend gesichert ist (Art. 7 Abs. 4 GG). Die Länder füllen das unterschiedlich aus: In Bayern dürfen die Gehälter nicht wesentlich hinter denen vergleichbarer öffentlicher Schulen zurückbleiben (Art. 97 Abs. 1 BayEUG). In Nordrhein-Westfalen ist ein Haustarif nach der Gehaltsordnung des Kollegiums ausdrücklich zugelassen, er muss aber die Mindestentgelte der Ersatzschulverordnung einhalten (Runderlass vom 26. Juli 1994, BASS 21-21 Nr. 11).
Was du an einer bestimmten Schule verdienst, erfährst du deshalb nur dort. Frag im Bewerbungsgespräch nach der Gehaltsordnung, dem Deputat und der Altersversorgung.
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Zwei Prinzipien prägen den Alltag stärker als jede pädagogische Theorie. Das erste ist das Klassenlehrerprinzip: Eine Lehrkraft begleitet dieselbe Klasse in der Regel von der ersten bis zur achten Klasse und unterrichtet dort den Hauptunterricht in nahezu allen Fächern. Das schafft eine Bindung, die es im staatlichen System nicht gibt – und verlangt eine fachliche Breite, die viele unterschätzt: Man unterrichtet acht Jahre lang Themen, für die man nicht ausgebildet wurde.
Das zweite ist der Epochenunterricht: Der Hauptunterricht am Morgen dauert etwa zwei Stunden und behandelt über mehrere Wochen ein einziges Thema, bevor das nächste folgt. Das erlaubt Vertiefung, verlangt aber eine völlig andere Planung als der 45-Minuten-Takt.
Dazu kommen Besonderheiten wie das weitgehende Fehlen von Ziffernnoten in den unteren Klassen, ausführliche Textzeugnisse und ein hoher Anteil künstlerischer und handwerklicher Fächer. Wer aus dem staatlichen Schuldienst kommt, braucht Zeit für die Umstellung – und sollte ehrlich prüfen, ob er das anthroposophische Fundament der Schulform mitträgt oder nur die Methoden schätzt.
Kann ich später vom Waldorf- in den staatlichen Schuldienst wechseln?
Mit staatlichem Lehramtsabschluss ja, die Jahre an der freien Schule stehen dem nicht entgegen. Wer dagegen nur die Waldorflehrerausbildung ohne staatliches Examen absolviert hat, kann in der Regel nicht in den staatlichen Dienst wechseln – das ist bei der Wahl des Ausbildungswegs der entscheidende Punkt.