
Lehrer an der Gemeinschaftsschule
Die Gemeinschaftsschule ist vor allem ein Modell aus Baden-Württemberg. Was sie von anderen Schulformen unterscheidet — und was das für Lehrkräfte bedeutet.
Was ist die Gemeinschaftsschule?
Die Gemeinschaftsschule ist eine weiteführende Schulform, die vor allem in Baden-Württemberg und einigen anderen Ländern existiert. Sie nimmt Schüler aller Leistungsniveaus auf und ermöglicht alle Abschlüsse — vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur (wenn ein gymnasialer Zug vorhanden ist). Das Besondere: individuelles Lernen statt einheitlicher Jahrgangsklassen.
Was macht Unterrichten an der Gemeinschaftsschule anders?
- Starke Binnendifferenzierung — du unterrichtest Schüler auf verschiedenen Niveaustufen gleichzeitig
- Oft Teamteaching mit Sonderpädagogen und Sozialpädagogen
- Projektarbeit und fächerübergreifendes Lernen statt klassischem Fachunterricht
- Keine Sitzenbleiben-Tradition — individuelle Lernpläne statt Wiederholung
Besoldung
In Baden-Württemberg werden Gemeinschaftsschullehrkräfte je nach eingesetzten Jahrgängen und Aufgaben in A12 oder A13 besoldet. Ziel ist perspektivisch A13 für alle.
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Was die Arbeitsweise tatsächlich verlangt
Die Beschreibung klingt nach mehr Freiheit, und das ist sie auch – sie kostet allerdings an anderer Stelle. Wer individualisiert unterrichtet, bereitet nicht eine Stunde vor, sondern mehrere Niveaustufen derselben Stunde. Material, das im gegliederten System für eine Lerngruppe reicht, muss hier differenziert vorliegen. Der Aufbau eines solchen Fundus dauert Jahre; die ersten davon sind die anstrengendsten.
Der zweite Punkt ist die Teamarbeit. Teamteaching mit Sonder- und Sozialpädagogik ist ein Gewinn, aber es setzt gemeinsame Planungszeit voraus – und die liegt in aller Regel außerhalb des Deputats. Wer im Kollegium schwer zusammenarbeitet, wird an dieser Schulform unglücklich; wer es schätzt, findet hier eine Struktur, die es einfordert statt es dem Zufall zu überlassen.
Drittens die Leistungsrückmeldung: Statt Ziffernnoten werden in weiten Teilen Lernentwicklungsberichte geschrieben – ausführliche Texte je Kind, mehrfach im Jahr. Das ist inhaltlich wertvoll und zeitlich erheblich. Wer von einer Schulform mit Notenzeugnissen wechselt, unterschätzt diesen Posten fast immer.
Kann ich mit jedem Lehramt an eine Gemeinschaftsschule?
Weitgehend ja – eingesetzt werden Lehrkräfte verschiedener Lehrämter nebeneinander, was zur Idee der Schulform gehört. Für den gymnasialen Zug in der Oberstufe wird allerdings die entsprechende Lehrbefähigung verlangt, und die Besoldung richtet sich nach dem mitgebrachten Lehramt und dem Einsatz.