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Lehrermangel in Deutschland 2026: Ursachen, Zahlen und Lösungsansätze

Lehrermangel in Deutschland 2026

Was die Prognose der Kultusministerkonferenz bis 2035 zeigt: Zahlen je Lehramt und Land, gesuchte Fächer, Ursachen und deine Chancen. Stand: September 2026

Wie viele Lehrkräfte fehlen wirklich? Im Umlauf sind viele Schätzungen, belastbar ist vor allem eine Quelle: Die Kultusministerkonferenz (KMK) trägt jedes Jahr die Modellrechnungen aller 16 Länder zusammen und stellt dem Einstellungsbedarf den ausgebildeten Nachwuchs gegenüber. Die aktuelle Ausgabe, die Dokumentation Nr. 247, hat die KMK am 18. Dezember 2025 beschlossen; sie reicht von 2025 bis 2035. Alle Zahlen auf dieser Seite stammen daraus.

Wie groß ist der Lehrermangel? Die KMK-Zahlen bis 2035

Rechnet man die Meldungen der Länder zusammen, müssen die Schulen von 2025 bis 2035 knapp 356.000 voll ausgebildete Lehrkräfte neu einstellen. Aus dem Vorbereitungsdienst kommen im selben Zeitraum voraussichtlich gut 329.000 Absolventinnen und Absolventen. Auf dem Papier fehlen damit rund 27.000 Lehrkräfte.

Als Maß für den Mangel taugt diese Summe allerdings nur bedingt, und darauf weist die KMK selbst hin: Ein Überschuss in einem Lehramt gleicht eine Lücke in einem anderen in der Praxis nicht aus, eine Gymnasiallehrkraft ersetzt keine Förderschullehrkraft. Umgekehrt schließen die Länder einen Teil der Lücken mit Quer- und Seiteneinsteigern, die im Nachwuchs der Rechnung in der Regel nicht enthalten sind. Aussagekräftiger ist deshalb der Blick auf die einzelnen Lehrämter und Zeiträume.

Nach Lehramt: Wo die Lücke am größten ist

Die KMK teilt den Zeitraum in drei Abschnitte: bis 2027 (wichtig für alle, die gerade im Referendariat sind oder bald beginnen), 2028 bis 2030 (für heutige Studienanfängerinnen und Studienanfänger) und 2031 bis 2035 (für alle, die ihr Lehramtsstudium noch vor sich haben). Die Tabelle nennt je Abschnitt den Einstellungsbedarf und die erwarteten Absolventinnen und Absolventen.

Lehramt2025–20272028–20302031–20352025–2035
Grundschule26.400 / 23.40016.600 / 25.10027.400 / 41.30070.300 / 89.800
Sekundarstufe I (etwa Haupt-, Real- oder Mittelschule)25.400 / 13.30023.200 / 12.20026.600 / 19.10075.200 / 44.600
Gymnasium bzw. Sekundarstufe II (allgemeinbildend)34.600 / 31.30031.500 / 32.00044.100 / 52.800110.200 / 116.200
Berufliche Schulen12.400 / 7.20012.700 / 7.30025.300 / 12.00050.500 / 26.500
Sonderpädagogik12.900 / 8.7009.800 / 9.60012.800 / 17.90035.500 / 36.300

Je Zelle: Bedarf / Absolvierende des Vorbereitungsdienstes, gerundet. Quelle: KMK, Dokumentation Nr. 247, Kapitel 5.3. Nicht aufgeführt: die übergreifenden Lehrämter für Primar- und Sekundarstufe I, für die nur noch Berlin an Hochschulen ausbildet (2025–2035: 5.800 Bedarf, 8.300 Absolvierende), sowie Fachlehrkräfte, bei denen der Bedarf rechnerisch weitgehend gedeckt ist.

  • Grundschule: Bis 2027 fehlen Absolventinnen und Absolventen, danach dreht sich das Verhältnis rechnerisch, ab 2031 gibt es sogar mehr Nachwuchs als Stellen. Die KMK schränkt aber ein: Den ab 2026 stufenweise eingeführten Anspruch auf ganztägige Förderung von Grundschulkindern haben noch nicht alle Länder vollständig eingerechnet, und Stellen, die bis 2027 unbesetzt bleiben, müssen später nachbesetzt werden. Die Chancen sind deshalb besser, als der reine Zahlenvergleich vermuten lässt.
  • Sekundarstufe I: In jedem der drei Abschnitte gibt es zu wenige Bewerberinnen und Bewerber. Bis 2035 fehlen rechnerisch 30.600 Lehrkräfte; die KMK bewertet die Berufsaussichten als sehr gut, allerdings nicht unbedingt in der Wunschregion.
  • Berufliche Schulen: Der Bedarf wird in keinem einzigen Jahr gedeckt, und ab 2031 wird die Lücke noch größer. Die KMK empfiehlt dieses Lehramt ausdrücklich, auch Studierenden fachnaher Studiengänge als Wechseloption.
  • Gymnasium: Die Lücke bis 2027 geht vor allem auf den Mehrbedarf durch die Rückkehr zu G9 zurück (Bayern 2025, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein 2026). Ab 2028 sind Bedarf und Nachwuchs fast gleich, ab 2031 schließen mehr Personen ab, als Stellen frei werden. Die KMK nennt die Einstellungschancen insgesamt weniger gut.
  • Sonderpädagogik: Bis 2027 fehlen rund 4.200 Lehrkräfte, danach entspannt sich die Lage rechnerisch. Weil unbesetzte Stellen nachwirken und die Inklusion an Regelschulen den Bedarf erhöhen kann, schätzt die KMK die Aussichten trotzdem als sehr gut ein.

Mangelfächer: Welche Fächer die Länder suchen

Die Länder haben der KMK auch gemeldet, in welchen Fächern sie besonders viele Lehrkräfte brauchen. Für die Grundschule gibt es keine Aufteilung nach Fächern, weil dort fächerübergreifend unterrichtet wird; für die Sekundarstufe I haben 14 Länder Angaben gemacht.

LehramtGrößerer BedarfEher geringe Nachfrage
Sekundarstufe IMathematik, Informatik, Chemie, Physik, Englisch, Musik, Kunst/Gestaltung/WerkenGeschichte, Erdkunde, Sozialkunde/Politik, evangelische und katholische Religion, Ethik/Philosophie
GymnasiumMathematik, Physik, Informatik, Chemie, Musik, KunstLatein, Sozialkunde/Politik, katholische Religion, Erdkunde, Geschichte
Berufliche SchulenMetall-, Elektro-, Fahrzeug- und Informationstechnik, Pflege, Sozialpädagogik, dazu Deutsch–
Sonderpädagogiknahezu alle Förderschwerpunkte–

Quelle: KMK, Dokumentation Nr. 247, Kapitel 5.4. Die Einschätzung bezieht sich auf das voraussichtliche Angebot an Absolvierenden; regional kann es Abweichungen geben.

Wer ein Mangelfach wie Informatik mitbringt, findet dazu auf unserer Seite Lehramt Informatik mehr, für die beruflichen Fachrichtungen auf Lehramt an Berufsschulen.

Lehrermangel nach Bundesländern

Wie angespannt die Lage ist, hängt stark vom Land ab. Die Tabelle fasst für jedes Land den Einstellungsbedarf und die erwarteten Absolventinnen und Absolventen aller Lehrämter zusammen. Der Anteil zeigt, welcher Teil des Bedarfs aus dem eigenen Vorbereitungsdienst rechnerisch gedeckt ist – einmal für die kurzfristige Phase bis 2027, einmal für den ganzen Zeitraum.

LandBedarf 2025–2035Absolvierende 2025–2035gedeckt 2025–2027gedeckt 2025–2035
Baden-Württemberg52.50045.30084 %86 %
Bayern52.90044.40074 %84 %
Berlin19.80020.00054 %101 %
Brandenburg13.50011.10059 %82 %
Bremen4.5004.00075 %88 %
Hamburg7.4009.900108 %133 %
Hessen24.60019.80081 %80 %
Mecklenburg-Vorpommern6.0005.00051 %83 %
Niedersachsen39.40029.20065 %74 %
Nordrhein-Westfalen73.80083.50085 %113 %
Rheinland-Pfalz13.10016.700110 %127 %
Saarland3.3003.10069 %94 %
Sachsen19.40014.50061 %75 %
Sachsen-Anhalt9.0005.40037 %60 %
Schleswig-Holstein9.3009.400100 %101 %
Thüringen7.5008.00084 %106 %

Eigene Summen aus den Ländertabellen der KMK-Dokumentation Nr. 247 (Anlage 1, Tabellen 2.1–2.7 und 3.1–3.7); Bedarf und Absolvierende auf 100 gerundet. Hamburg und Thüringen melden nur öffentliche Schulen; Sachsen rechnet qualifizierungsfähige Seiteneinsteiger zum Angebot; Berlin bildet in eigenen Lehramtstypen aus.

Kurzfristig am knappsten ist es in Sachsen-Anhalt (37 %), Mecklenburg-Vorpommern (51 %), Berlin (54 %) und Brandenburg (59 %): Dort deckt der eigene Nachwuchs bis 2027 höchstens rund 60 % des Bedarfs. Ein Wert über 100 % bedeutet dagegen nicht, dass es im Land keinen Mangel gibt. Die Summe gleicht die Lehrämter rechnerisch aus – Nordrhein-Westfalen zum Beispiel bildet insgesamt mehr Lehrkräfte aus, als es braucht, deckt bis 2035 aber in der Sekundarstufe I nur rund 69 % und an den beruflichen Schulen nur rund 59 % des Bedarfs. Details zu Gehalt, Verbeamtung und Einstellung findest du auf den verlinkten Länderseiten.

Warum fehlen Lehrkräfte? Die Ursachen

Die KMK sieht vor allem demografische Gründe. Die geburtenstarken Jahrgänge verlassen den Schuldienst, die nachfolgende Generation ist deutlich kleiner – und Schulen konkurrieren mit dem ganzen Arbeitsmarkt um Fachkräfte. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen noch bis in die 2030er-Jahre: Die geburtenstärkeren Jahrgänge 2012 bis 2016 ziehen durch die Schulstufen, und die Zuwanderung der Jahre 2015/16 sowie die Flucht aus der Ukraine seit 2022 haben die Zahl der Schülerinnen und Schüler spürbar erhöht.

Hinzu kommen politische Entscheidungen. Als die Schülerzahlen früher zurückgingen, haben viele Länder die frei werdenden Stellen für Inklusion, Ganztagsangebote und Sprachförderung genutzt. Dieser höhere Standard braucht jetzt, bei wieder steigenden Zahlen, mehr Personal. Und weil vom Abitur bis zum ersten eigenen Unterricht in der Regel mindestens sechs Jahre vergehen, lässt sich der Nachwuchs nur mit großer Verzögerung steigern. Gegenüber der Rechnung vom Februar 2025 ist der erwartete Bedarf in fast allen Lehrämtern gesunken, weil zuletzt weniger Kinder geboren wurden – der erwartete Nachwuchs allerdings auch.

Was Länder und KMK dagegen tun

Im März 2024 hat die KMK Maßnahmen beschlossen, um zusätzliche Lehrkräfte zu gewinnen, und am 14. Juni 2024 einen gemeinsamen Rahmen für neue Wege ins Lehramt geschaffen. Die Dokumentation nennt diese Stellschrauben:

  • genügend Studienplätze im Lehramt oder den Verzicht auf Zulassungsbeschränkungen,
  • einen attraktiveren Beruf durch besseres Image und bessere Arbeitsbedingungen,
  • gezielte Information von Studieninteressierten über die Einstellungschancen je Region und Lehramt,
  • die berufsbegleitende Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigern,
  • neue Zielgruppen, etwa über die Qualifizierung zu Ein-Fach-Lehrkräften, duale Lehramtsstudiengänge und Quereinstiegs-Masterstudiengänge.

Als weitere, bedarfssenkende Möglichkeiten erwähnt die KMK größere Klassen oder kürzere Stundentafeln. Auch bei der Verbeamtung bewegen sich die Länder: Hessen und Schleswig-Holstein haben mit 50 Jahren die höchsten regulären Altersgrenzen, Berlin verbeamtet Lehrkräfte, die bereits im Landesdienst angestellt sind, befristet bis Ende 2026 noch bis 52 (Übersicht der Altersgrenzen je Bundesland). Wie weit die Länder bei der Besoldung von Grundschullehrkräften nach A 13 sind, zeigt die Seite A 13 für alle Lehrer.

Was der Lehrermangel für dich bedeutet

Studierst du für die Sekundarstufe I, für berufliche Schulen oder Sonderpädagogik, stehen deine Chancen laut KMK über den ganzen Zeitraum gut bis sehr gut. Im Grundschullehramt sind sie bis 2027 sehr gut; danach wird es rechnerisch enger, wobei der Ganztagsausbau noch nicht überall eingerechnet ist. Für das Gymnasium rät die KMK zu Flexibilität: im Zweifel eine Stelle an einem anderen Ort, in einem anderen Land oder in der Sekundarstufe I anzunehmen. Ein Mangelfach in deiner Kombination verbessert die Aussichten deutlich.

Hast du kein Lehramt studiert, lohnt vor allem der Blick auf die beruflichen Schulen: Gerade dort ist die gezielte Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigern laut KMK zahlenmäßig bedeutsam. Welche Voraussetzungen die Länder stellen, erklärt unser Ratgeber zum Quereinstieg; zur späteren Verbeamtung findest du eine eigene Seite.

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Praxisbeispiel: Zwei Studienwege, zwei Aussichten

Mia studiert Lehramt an Gymnasien mit Deutsch und Geschichte und wird ihr Referendariat voraussichtlich 2031 abschließen. Für genau diesen Abschnitt erwartet die KMK beim Gymnasiallehramt 52.800 Absolventinnen und Absolventen bei rund 44.100 zu besetzenden Stellen, und Geschichte gehört zu den Fächern mit eher geringer Nachfrage. Mia prüft deshalb früh, ob ein Erweiterungsfach wie Informatik in ihr Studium passt, und hält sich offen, für die erste Stelle auch das Land zu wechseln.

Ihr Studienfreund Jonas wechselt nach dem Bachelor in Elektrotechnik in das Lehramt an beruflichen Schulen. Für 2031 bis 2035 stehen dort nach der KMK-Rechnung 12.000 Absolventinnen und Absolventen einem Bedarf von 25.300 Lehrkräften gegenüber, und die Elektrotechnik zählt zu den ausdrücklich gesuchten Fachrichtungen. Seine Einstellungschancen sind nach dieser Rechnung sehr gut – vor allem, wenn er beim Einsatzort nicht zu wählerisch ist.

Häufige Fragen

Wie viele Lehrer fehlen in Deutschland?

Über alle Lehrämter fehlen von 2025 bis 2035 rechnerisch rund 27.000 Lehrkräfte (knapp 356.000 Stellen, gut 329.000 Absolvierende). Aussagekräftiger sind die Lehrämter: In der Sekundarstufe I fehlen 30.600, an beruflichen Schulen 24.000, beim Gymnasium gibt es dagegen über den ganzen Zeitraum mehr Absolvierende als Stellen.

Wie lange hält der Lehrermangel noch an?

Das hängt vom Lehramt ab. In Grundschule und Sonderpädagogik ist die Lage laut KMK vor allem bis 2027 akut, in der Sekundarstufe I und an beruflichen Schulen reicht der Nachwuchs bis 2035 in keinem Abschnitt. Die KMK aktualisiert die Rechnung jedes Jahr.

In welchen Bundesländern ist der Mangel am größten?

Kurzfristig in Sachsen-Anhalt (37 %), Mecklenburg-Vorpommern (51 %), Berlin (54 %) und Brandenburg (59 %). Die Werte aller Länder stehen in der Ländertabelle oben.

Werden auch Lehrer fürs Gymnasium gesucht?

Ja, aber weniger dringend. Bis 2027 fehlen durch die G9-Umstellung in einigen Ländern Lehrkräfte, danach gleichen sich Bedarf und Nachwuchs aus, ab 2031 schließen mehr Personen ab, als Stellen frei werden. Gesucht sind vor allem Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Musik und Kunst; bei Latein, Politik, katholischer Religion, Erdkunde und Geschichte ist die Nachfrage eher gering.

Quellen

  • Sekretariat der Kultusministerkonferenz: Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2025–2035 – Zusammengefasste Modellrechnungen der Länder, Dokumentation Nr. 247, Beschluss vom 18.12.2025 (Kapitel 1, 3, 5 und Anlage 1): kmk.org (PDF)
  • Kultusministerkonferenz, Themenseite Lehrkräftebedarf: kmk.org
  • Altersgrenzen für die Verbeamtung mit den Rechtsgrundlagen je Land: Übersicht Altersgrenzen

Stand der Angaben: September 2026. Die Länderwerte sind eigene Summen aus den Tabellen der Dokumentation.

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