Lehrermangel 2026: Wo fehlen die meisten Lehrkräfte?

Lehrermangel 2026: Wo fehlen die meisten Lehrkräfte?

Wie groß ist der Lehrermangel wirklich?

Die KMK (Kultusministerkonferenz) prognostiziert für Deutschland bis 2030 einen Fehlbedarf von rund 26.000 Vollzeitäquivalenten an Lehrkräften. Betroffen sind vor allem Grundschulen, Förderschulen und Berufsschulen. Gleichzeitig gehen in den nächsten Jahren geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand.

Bundesland Fehlbedarf (grob) Fächer mit höchstem Mangel
NRW ~4.000 Mathe, Physik, Sonderpädagogik
Bayern ~2.500 Grundschule, Informatik
Sachsen ~3.000 Fast alle Fächer
Berlin ~2.800 Grundschule, MINT, SoPäd
Brandenburg ~1.500 Grundschule, MINT
Sachsen-Anhalt ~1.200 Alle Schularten

Warum gibt es so wenige Lehrer?

  • Pensionierungswelle: Die geburtenstarken Jahrgänge (1955–1965) gehen in Rente
  • Studienabbrüche: Bis zu 30 % der Lehramtsstudierenden brechen ab
  • Ungleichverteilung: Wenige Studierende wählen Mangelfächer oder Förderschule
  • Teilzeitquote: Über 40 % der Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit
📊 Positiv für Berufseinsteiger: Wer heute Lehramt studiert, hat beste Chancen auf eine unbefristete Stelle und schnelle Verbeamtung — in den meisten Bundesländern sofort nach dem Referendariat.

Was tun die Bundesländer dagegen?

Die Reaktionen sind vielfältig: Schnellere Quereinsteiger-Programme, höhere Gehälter (A13 für alle), Werbung im Ausland für EU-Lehrkräfte, verkürzte Referendariatszeiten (Sachsen: 12 Monate) und Pensionierungsaufschub-Anreize. Dennoch ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht.

Was bedeutet das für angehende Lehrer?

Der Lehrermangel ist für Studienanfänger eine gute Nachricht: Jobsicherheit ist garantiert, Verbeamtung ist schnell, Übernahme-Quoten liegen bei fast 100 %. Wer ein Mangelfach studiert (Mathe, Physik, Informatik, Sonderpädagogik), hat oft die freie Wahl des Bundeslandes und der Schule.

Regionale Mangel-Hotspots: Wo Schulen besonders leiden

Region Besondere Mangelfächer Warum besonders betroffen?
Brandenburg (ländlich) Alle Fächer Landflucht, alternde Belegschaft
Berlin Neukölln, Wedding DaZ, Sonderpäd., Grundschule Hoher Bedarf, schwieriges Umfeld
Ruhrgebiet (NRW) Sonderpädagogik, Berufsschule Sozioökonomische Herausforderungen
Sachsen-Anhalt (Fläche) Alle Fächer, alle Schulformen Schrumpfende Bevölkerung, wenig Zuzug
München Umland Grundschule Teures Wohnen schreckt Lehrkräfte ab

Warum bestimmte Regionen so viel schwieriger zu besetzen sind

Hinter dem Lehrermangel stecken strukturelle Ursachen, die je nach Region unterschiedlich wirken. Ländliche Gegenden kämpfen mit Wohnraumkosten (zu wenige attraktive Wohnungen), fehlender Infrastruktur und sozialer Isolation. Städtische Problemschulen kämpfen mit Belastung: Hohe Klassen, viele Förderbedürftige, Disziplinprobleme. Beide Typen haben Schwierigkeiten, Lehrkräfte zu halten — aus sehr verschiedenen Gründen.

Für Bewerber: Wer bereit ist, in einer strukturschwachen Region oder an einer herausfordernden Stadtschule anzufangen, hat fast garantiert sofortige Einstellung. Viele Bundesländer honorieren das mit Bonuszahlungen, schnellerer Verbeamtung oder bevorzugter Behandlung bei späteren Versetzungsanträgen.

Wie stark ist der Lehrermangel in der Berufsschule?

Besonders stark — Berufsschullehrkräfte brauchen oft eine duale Qualifikation (Fachwissen + pädagogische Ausbildung), die kaum verfügbar ist. In technischen Berufsfeldern (Informatik, Elektrotechnik, Mechatronik) ist der Mangel akut. Quereinsteiger mit Industrieerfahrung und Interesse am Lehrberuf haben an Berufsschulen hervorragende Chancen auf schnelle Einstellung und Verbeamtung.

Wird der Lehrermangel durch Digitalisierung gelöst?

Nein — zumindest nicht kurzfristig. KI-Tools und digitale Plattformen können Lehrkräfte bei der Vorbereitung entlasten, ersetzen sie nicht. Für Schüler mit besonderem Förderbedarf, soziale Kompetenzen und Klassenführung bleibt menschliche Lehrkraft unverzichtbar. Digitalisierung ergänzt — löst aber nicht die Grundproblematik fehlender Lehrkräfte.

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