
Wie viele Stunden arbeiten Lehrer wirklich?
Der Mythos vom leichten Lehrerjob: Was Studien über die tatsächliche Arbeitszeit von Lehrerinnen und Lehrern sagen
„Lehrer haben doch so viele Ferien!“ – kaum ein Satz ärgert Lehrerinnen und Lehrer mehr. Denn die Realität sieht anders aus: Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen, Förderangebote und Verwaltungsaufgaben addieren sich zu einer Gesamtarbeitszeit, die oft über dem Durchschnitt anderer Berufsgruppen liegt.
Was sagen Studien zur Lehrerarbeitszeit?
Mehrere Studien haben die Arbeitszeit von Lehrkräften systematisch untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig:
| Studie / Quelle | Durchschnittliche Jahresarbeitszeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Mummert-Studie (aktualisiert) | ca. 1.800–1.900 Stunden/Jahr | Höher als viele andere Vollzeitberufe |
| OECD Education at a Glance | ca. 1.600–1.800 Std. (je BL) | Inklusive Vor- und Nachbereitung |
| GEW-Studie Lehrergesundheit | 45–50 Std./Woche in Unterrichtswochen | Deutlich mehr als die vertragliche Norm |
Wohin geht die Zeit? Die verborgene Arbeit
Eine typische Unterrichtsstunde kostet eine Lehrkraft oft das Doppelte an Zeit – wenn man Vor- und Nachbereitung einrechnet. Hinzu kommen:
- Korrekturen: Klassenarbeiten, Aufsätze, Hausaufgaben – in Sprachfächern besonders zeitintensiv
- Elternkommunikation: E-Mails, Sprechtage, Elternabende
- Konferenzen und Besprechungen: Klassen-, Fach- und Gesamtkonferenzen
- Verwaltung: Zeugnisse, Berichte, Förderpläne, Dokumentationen
- Fortbildungen: Oft außerhalb der Unterrichtszeit verpflichtend
- Inklusion und Förderung: Individuelle Begleitung einzelner Schüler
Ferien: Erholung oder Weiterarbeit?
Ja, Lehrer haben gesetzlich mehr Urlaubstage als die meisten anderen Berufsgruppen. Aber: In den Ferien wird intensiv vor- und nachgearbeitet. Untersuchungen zufolge nutzen Lehrkräfte im Schnitt 2–4 Wochen der Sommerferien tatsächlich für Unterrichtsvor- und -nachbereitung nutzen. Die Ferienzeit kompensiert also zum Teil die Überstunden im Schulalltag – ein systemischer Ausgleichsmechanismus, kein Bonus.
Unterschiede nach Schulform und Fach
Die Arbeitszeit variiert stark je nach Schulform, Fächerkombination und persönlichem Stil. Gymnasiallehrkräfte mit vielen Korrekturfächern (Deutsch, Englisch, Geschichte) arbeiten deutlich mehr als Sportlehrer an einer Grundschule. Auch die Klassengröße, der Förderbedarf der Schüler und die Führungsaufgaben spielen eine Rolle.
Dein Gehalt im Überblick
Angesichts der realen Arbeitszeit: Lohnt sich der Lehrberuf finanziell? Finde es mit unserem Gehaltsrechner heraus.
Zum GehaltsrechnerDie echte Arbeitszeit: Was Studien sagen
| Tätigkeit | Stunden/Woche (Schätzung) | Anteil Gesamtzeit |
|---|---|---|
| Unterricht halten | 23–28 h | ~45–50 % |
| Vor- und Nachbereitung | 10–15 h | ~25–30 % |
| Korrekturen | 5–10 h | ~15–20 % |
| Elterngespräche, Konferenzen | 2–5 h | ~5–10 % |
| Verwaltung, Formulare | 2–4 h | ~5 % |
Laut Forsa-Studie (2019) arbeiten Lehrkräfte in Vollzeit durchschnittlich 48–52 Stunden pro Woche in der Schulzeit. In Ferienzeit sinkt das auf ca. 10–15 Stunden. Aufs Jahr gerechnet: ca. 1.750–1.850 Arbeitsstunden — vergleichbar mit vielen Büroberufen, aber ungleichmäßig verteilt.
Ferienzeit: Urlaub oder Weiterarbeit?
Formell haben verbeamtete Lehrkräfte keinen „Urlaub“ wie Angestellte — sie sind ganzjährig im Dienst. Die Schulferien dienen der Erholung und sind dienstfrei gestellt. In der Praxis arbeiten viele Lehrkräfte auch in den Ferien: Korrekturen nachholen, Unterrichtssequenzen für das nächste Halbjahr planen, Fortbildungen besuchen. Die rechtlich geschützte Erholungszeit ist das — diese Arbeitszeiten sind freiwillig.
