Quereinsteiger Lehrer
Du hast ein abgeschlossenes Studium, aber kein Lehramt? Erfahre, wie du trotzdem Lehrer werden kannst – in welchen Bundesländern das klappt, was du verdienst und welche Schritte notwendig sind.
Was ist ein Quereinsteiger im Lehramt?
Als Quereinsteiger (auch: Seiteneinsteiger) bezeichnet man Personen, die ohne klassisches Lehramtsstudium in den Schuldienst wechseln. Du hast einen Hochschulabschluss in einem Fach – z. B. Ingenieurwesen, Informatik oder Chemie – und kannst dieses Wissen als Lehrer einbringen, ohne den regulären Weg über Lehramtsstudium und Referendariat gegangen zu sein.
Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Modelle: vom direkten Quereinstieg (sofort in die Klasse) über ein berufsbegleitendes Referendariat bis hin zum Seiteneinstiegsprogramm mit intensiver Vorbereitung.
Voraussetzungen: Was brauchst du?
- Abgeschlossenes Hochschulstudium (Bachelor min., Master bevorzugt)
- Fachlicher Bezug zu einem oder zwei Unterrichtsfächern
- Deutsche Sprachkenntnisse auf muttersprachlichem Niveau
- Gesundheitliche Eignung für den Schuldienst
- Erweitertes Führungszeugnis ohne relevante Einträge
- Mathematik
- Physik & Chemie
- Informatik
- Ingenieurwissenschaften
- Sonderpädagogik (Studium nötig)
- Berufsschulen (fast alle Fächer)
- Musik (bei Konservatoriums-Abschluss)
Die drei Quereinsteiger-Modelle im Vergleich
Gehalt als Quereinsteiger
Quereinsteiger werden in der Regel nicht sofort verbeamtet, sondern zunächst als Angestellte nach TV-L eingestellt. Das Gehalt hängt von Abschluss, Erfahrung und Bundesland ab:
| Status | Entgeltgruppe | Brutto Stufe 1 | Netto ca. |
|---|---|---|---|
| Quereinsteiger mit Master | TV-L E13 | 4.321 € | ~2.850 € |
| Quereinsteiger mit Bachelor | TV-L E11–E12 | 3.745 € | ~2.480 € |
| Nach Ref. / Verbeamtung A13 | A13 Stufe 1 | 4.628 € | ~3.400 € |
| Nach Ref. / Verbeamtung A12 | A12 Stufe 1 | 4.198 € | ~3.100 € |
Nettowerte für Angestellte (TV-L) nach Abzug aller Sozialabgaben. Beamte zahlen keine Rentenversicherung, daher höheres Netto bei gleichem Brutto.
Quereinsteiger nach Bundesland: Ein Überblick
| Bundesland | Modell | Schwerpunkt | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Berlin | Direkt | Alle Fächer | Sehr offen |
| Sachsen | Direkt + Prog. | MINT, Berufsschule | Sehr offen |
| Brandenburg | Intensivprogramm | Alle Fächer | Sehr offen |
| NRW | Berufsbegl. Ref. | MINT, Berufsschule | Offen |
| Thüringen / MV | Sonderprogramm | Alle Fächer | Sehr offen |
| Bayern | Berufsbegl. Ref. | Berufsschule, MINT | Selektiv |
| Baden-Württemberg | Berufsbegl. Ref. | Berufsschule | Selektiv |
| Hamburg / Bremen | Direkt + Ref. | MINT, Berufsschule | Offen |
Schritt-für-Schritt: So bewirbst du dich
Überlege, welches Fach du unterrichten möchtest und in welchem Bundesland du leben willst. Mangelfächer erhöhen deine Chancen stark.
In jedem Bundesland gibt es ein Landesamt oder eine Bezirksregierung, die Quereinsteiger-Bewerbungen koordiniert. Einfach googeln: „Quereinsteiger Lehrer [Bundesland] Bewerbung“.
Hochschulzeugnis, Lebenslauf, Motivationsschreiben, erweitertes Führungszeugnis, ggf. Nachweise über Berufserfahrung im Fach und erste pädagogische Erfahrungen.
Viele Bundesländer führen ein Eignungsgespräch oder eine kurze Probestunde durch. Manchmal gibt es auch einen schriftlichen Test in Pädagogik und Fachdidaktik.
Als Quereinsteiger bist du zunächst Angestellter (TV-L) – keine automatische Beihilfe. Kläre früh, ob GKV oder PKV die bessere Wahl ist. Unser PKV-Guide hilft dir dabei.
Nach bestandenem berufsbegleitendem Referendariat oder nach der Bewährungszeit kannst du die Verbeamtung beantragen – mit deutlich höherem Nettoeinkommen.
Vorteile und Risiken abwägen
- Krisensicherer, sinnstiftender Job
- Gute Bezahlung und Pensionsansprüche nach Verbeamtung
- Hohe Nachfrage – sehr gute Jobchancen
- Berufserfahrung aus der Wirtschaft ist Pluspunkt
- Praxisnähe im Unterricht (Berufsschule besonders gefragt)
- Viele Bundesländer zahlen Willkommensprämien
- Anfangs meist kein Beamtenstatus (TV-L Angestellter)
- Unterrichten ohne pädagogische Grundausbildung ist anspruchsvoll
- Berufsbegleitende Nachqualifizierung ist zeitintensiv
- Anerkennung variiert stark zwischen Bundesländern
- Klassenmanagemant und Elternarbeit muss gelernt werden
- Einkommensverlust ggü. gut bezahlter Industrie-Karriere
Häufige Fragen (FAQ)
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Seiteneinstieg vs. Quereinstieg: Was ist der Unterschied?
Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber etwas anderes:
- Quereinsteiger: Personen mit einem fachlich einschlägigen Studium (kein Lehramt), die direkt – ohne Vorbereitungsdienst – als Lehrkraft eingestellt werden. Sie übernehmen Unterrichtstunden ihrer Fachrichtung und nehmen begleitend an pädagogischen Qualifizierungsmaßnahmen teil.
- Seiteneinstieg: Ähnlich, aber meist mit einem pädagogischen Vorbereitungsprogramm verbunden. In einigen Bundesländern absolvieren Seiteneinsteiger einen verkürzten Vorbereitungsdienst (6–18 Monate), bevor sie voll eingestellt werden.
Welches Modell zutrifft, hängt vom Bundesland ab. Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg sowie Thüringen nutzen den Seiteneinstieg besonders aktiv, um den Lehrermangel an beruflichen Schulen und Grundschulen zu bekämpfen.
An welchen Schulen werden Quereinsteiger besonders gesucht?
Quereinsteiger werden vor allem an folgenden Schulen eingesetzt:
- Berufliche Schulen (Berufsschulen): Hier werden Fachleute aus der Praxis gesucht – Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker, Pflegepersonal. Das berufliche Wissen ist hier wichtiger als ein Lehramtsstudium.
- Grundschulen: In Regionen mit akutem Lehrermangel werden auch Quereinsteiger für die Grundschule zugelassen.
- Förderschulen: Fachkräfte aus Pflege, Sozialpädagogik oder Psychologie können hier eingesetzt werden.
- Gymnasien: In bestimmten Mangelfächern (Informatik, Physik, Mathematik) akzeptieren manche Bundesländer Quereinsteiger auch am Gymnasium.
Vorbereitungsdienst für Quereinsteiger: Was gilt?
Ob und in welcher Form ein Vorbereitungsdienst absolviert werden muss, hängt vom Bundesland sowie von der vorherigen Ausbildung ab. In manchen Bundesländern werden Quereinsteiger direkt als vollwertige Lehrkraft eingestellt und erhalten begleitend pädagogische Unterstützung. In anderen muss ein verkürzter Vorbereitungsdienst (6–18 Monate) abgeleistet werden, damit die Anerkennung als voll ausgebildete Lehrkraft möglich ist. Die meisten Bundesländer bieten inzwischen beide Optionen an, damit Schulen ihren Bedarf flexibel decken können.
Quereinstieg: Gehalt und Eingruppierung
Quereinsteiger werden in der Regel nach Tarifvertrag TV-L als Angestellte eingestellt, da eine Verbeamtung zunächst nicht möglich ist. Die Eingruppierung richtet sich nach der Schulform sowie dem Studienabschluss. Sobald die pädagogische Ausbildung abgeschlossen ist und alle Voraussetzungen erfüllt werden, ist in vielen Bundesländern die Verbeamtung möglich – damit einher gehen dann auch die Vorteile wie Pension und Beihilfe.
Als angestellte Lehrkraft im Quereinstieg gelten folgende Richtwerte (brutto, TV-L E13):
- Einstieg (Stufe 1): ca. 3.900 € brutto/Monat
- Nach 3 Jahren Erfahrung (Stufe 3): ca. 4.500 € brutto
- Vollverbeamtet nach Quereinstieg: Besoldung analog zu regulären Lehrkräften (A12–A13)
Wo findest du offene Stellen für Quereinsteiger?
Offene Lehrerstellen für Quereinsteiger sowie Seiteneinsteiger findest du auf den offiziellen Jobbörsen der Kultusministerien. Alternativ bieten die Schulämter der einzelnen Bundesländer direkte Anlaufstellen. Damit du keine Stelle verpasst:
- Bayern: Bewerbungsportal Lehramt Bayern (BayEIS)
- NRW: Stellenportal des Schulministeriums NRW
- Berlin: Karriereportal des Berliner Senats (Quereinsteiger-Programm)
- Sachsen: Schulportal Sachsen
- Bundesweit: JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit (Stichwort: Quereinsteiger Schule)
Finde die für dich passende Stelle, indem du gezielt nach beruflichen Schulen sowie nach Schulen in deiner Region suchst. Darüber hinaus gibt es auch direkte Initiativbewerbungen an einzelnen Schulen – gerade an beruflichen Schulen ist das oft ein erfolgreicher Weg.
→ Weiterführend: Verbeamtung als Lehrer | Lehrergehalt im Überblick | Versicherungen für Lehrer
Seiteneinsteiger vs. ausgebildete Lehrkraft: Was ist der Unterschied?
Als Seiteneinsteiger bringst du fachliches Expertenwissen mit – aber keine paedagogische Grundausbildung wie eine ausgebildete Lehrkraft, die Studium und Referendariat absolviert hat. Das hat praktische Konsequenzen:
- Seiteneinsteiger arbeiten oft zunachst ohne Verbeamtung als angestellte Lehrkraft
- Berufsbegleitende Qualifizierungsprogramme holen die fehlende paedagogische Ausbildung nach
- An vielen Schulen werden Quereinsteiger und ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gleich eingesetzt – mit unterschiedlicher Verguetung
An welchen Schulen kann ich als Quereinsteiger unterrichten?
Das haengt vom Bundesland ab. Quereinsteiger und Seiteneinsteiger werden vor allem an Berufsschulen, Gemeinschaftsschulen und in Mangelfaechern an Gymnasien eingesetzt. An Grundschulen ist der Quereinstieg seltener moeglich, da dort besondere paedagogische Qualifikationen gefordert werden. Einige Bundeslaender akzeptieren Seiteneinsteiger inzwischen auch fuer Grundschulen, wenn die Faecher- und Lehrkraefte-Lage es erfordert.
Weiterführende Themen: Verbeamtungsaltersgrenze | Angestellte Lehrer TV-L
Weiterführend: Ausländische Lehramtsabschlüsse in Deutschland anerkennen →
